Gut besuchte Mitgliederversammlung der Albrecht Thaer-Gesellschaft in Celle

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Albrecht Thaer Gesellschaft konnte der Direktor Rainer Fabel mit über einhundertsechzig Mitgliedern und Gästen ein nahezu volles Haus im Veranstaltungszentrum der Congress Union in Celle begrüßen.

Nach den üblichen Regularien (Geschäfts- und Kassenbericht) wurden in einem ersten Höhepunkt einunddreißig verdiente Persönlichkeiten aus der Landwirtschaft sowie dem vor- und nachgelagerten Bereich und der Politik unter großem Beifall der Versammlung neu in die Albrecht-Thaer-Gesellschaft berufen.

Foto: Witte
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Zweiter Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung der Thaer-Thünen-Medaille in Gold an Fritz Stegen und Werner Hilse. Die Albrecht-Thaer Gesellschaft will mit der Verleihung dieser Medaille Persönlichkeiten für Ihre Verdienste und ihren Einsatz für die Landwirtschaft und die Albrecht-Thaer Gesellschaft würdigen. Der Zentralauschuss der Albrecht-Thaer Gesellschaft hatte am 16. März 2018 einstimmig den Beschluss gefasst, beiden Herren als Zeichen des Dankes für ihr großes Engagement für den landwirtschaftlichen Berufsstand die Thaer-Thünen-Medaille in Gold zu verleihen.

Direktor Fabel gratulierte den Medaillenträgern Fritz Stegen und Werner Hilse im Namen der Mitglieder und des Zentralausschusses, aber auch ganz persönlich. In seiner Würdigung stellte er fest, dass der außergewöhnliche Einsatz von Stegen und Hilse als Ideen- und Impulsgeber nicht selbstverständlich und sehr beeindruckend war bzw. ist. Beide hätten schon früh die Zeichen der Zeit erkannt und sich als leidenschaftliche Verfechter marktwirtschaftlicher Prinzipien profiliert. In der Landwirtschaft würden Stegen und Hilse eine „echte Zukunftsbranche“ sehen. Durch ihr Tun und Handeln seien beide in vielen Dingen ein gutes Vorbild für den Berufsstand und unsere Gesellschaft. Fabel sagte ein besonders herzliches „Danke schön“ und wünschte beiden für die Zukunft alles Gute, Gottes Segen und vor allem Gesundheit.

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Der dritte Höhepunkt der Veranstaltung war der Festvortrag von dem neugewählten Landvolkpräsidenten Albert Schulte to Brinke zum Thema „Die Zukunft der landwirtschaftlichen Unternehmen zwischen betrieblichen Notwendigkeiten und gesellschaftlichen Herausforderungen“.

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Aus der Sicht des landwirtschaftlichen Berufsstandes spannte er einen weiten Themenbogen von der Berufsausbildung über die Entwicklung auf den Märkten und die gegenwärtige mediale, politische und gesellschaftliche Diskussion über die Landwirtschaft, die aktuellen Herausforderungen für die Landwirtschaft (Glyphosat, DüngeVO, Tierschutzplan) bis hin zur Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion im Sinne von Thaer.

Schulte to Brinke begann seinen Vortrag mit der Feststellung, dass die Komplexität der Landwirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit kaum noch vermittelbar sei, insbesondere da NGO´s die Meinungsführerschaft übernommen und an einer sachlichen Problembehandlung kein Interesse haben. Die Diskussion sei emotional zwar verständlich, schließlich gehe es um Mittel zum Leben; allerdings würden Fakten infrage gestellt und nicht nur die Allgemeinheit, sondern selbst die Politik glaube der von ihr beauftragten Wissenschaft oft nicht mehr.

In Zeiten wie diesen ziele das Reden über Landwirtschaft weniger auf fachliche Details ab, sondern sei stattdessen eher grundsätzlicher Natur. Schulte to Brinke führte weiter aus, dass die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume aktuell wieder stärker die gesellschaftlichen Debatten anstoße. In Politik und Öffentlichkeit werde gleichermaßen über das zukünftige Aussehen der Landwirtschaft diskutiert. Die Vorschläge reichten von einer industrialisierten Landwirtschaft, die qualitativ hochwertige homogene Massenware produziert, bis hin zu einer kleinbäuerlichen, vielfältigen Landwirtschaft, die stärker ökologische und soziale Kriterien bei der Produktion berücksichtige. Nach Meinung von Schulte to Brinke gibt es viele Wege für eine nachhaltige betriebliche Entwicklung. Aus der Sicht eines zukünftigen Betriebsleiters/einer zukünftigen Betriebsleiterin sind die Arbeitszufriedenheit, die Anerkennung für die Arbeit und die Erzielung eines ausreichenden Einkommens wichtige Eckpfeiler für die Motivation, als Landwirt tätig zu sein.

Vor dem Hintergrund eines schärfer werdenden Wettbewerbs um Marktanteile regional, national und international stehe die niedersächsische Agrarwirtschaft allerdings am Beginn einer Zeitenwende zwischen Herausforderungen und Chancen. Die niedersächsische/deutsche Land- und Ernährungswirtschaft habe einen hohen Qualitätsstandard, den interessantesten Lebensmittelmarkt der Welt vor der Haustür und sei beim Kunden erfolgreich. Dies gelte es, zu sichern und auszubauen, vor allem bei den für Niedersachsen so wichtigen Produkten Milch, Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch, Eier, Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben.

In diesem Zusammenhang stellte er fest, dass die Produktionskosten teilweise international noch nicht wettbewerbsfähig sind. Das hat auch mit den betrieblichen Strukturen zu tun. An dieser Stelle forderte er die Schaffung leistungsfähiger Produktionsstrukturen; sowohl durch weiteres Betriebsgrößenwachstum, aber auch durch intelligente unternehmerische Verbundkonzepte und Arbeitsteilung. Seiner Meinung nach haben zukünftig nur Experten Chancen im Markt. Viele Betriebe nutzten den lokalen Standortvorteil bereits für höhere Wertschöpfung, Einkommenskombination oder Einkommensalternativen. Dieser Entwicklungspfad werde künftig noch an Bedeutung gewinnen.

Zum Thema „Tierhaltung“ verweist Schulte to Brinke darauf, dass auch den Bauern „nur gesunde Tiere Spaß machen“. Das Erkennen und Beheben von Problemen läge im ureigensten Interesse der Landwirte, wie die Halbierung des Antibiotikaeinsatzes zeige. Er warb in diesem Zusammenhang um Vertrauen. Dennoch müssten kranke Tiere behandelt werden und man müsse hinterfragen: „Warum die Sterblichkeit in alternativen Tierhaltungen doppelt so hoch ist, wie in konventionellen Ställen.“

Mit Blick auf die gesellschaftlich gewünschte Weidehaltung von Tieren sagte Schulte to Brinke, dass das Umweltrecht z.T. dem Tierwohl entgegenstünde. Organischer Dünger sei im Übrigen ein wertvoller Dünger, ergänzte er. Zum Thema Nitrat versprach der Landvolk-Präsident: „Wir kümmern uns um die roten Stellen, mit der gebotenen Vehemenz.“ Grundsätzlich dürfe sich kein Landwirt falschen Illusionen hingeben. „Wir arbeiten draußen“, so Schulte to Brinke und „Was wir draußen tun, hat Folgen für die Natur!“ Das Wichtigste sei deshalb der handelnde Landwirt vor Ort: Was jeder einzelne mache, sei bedeutsam für die Glaubwürdigkeit der Branche insgesamt. Nur mit Glaubwürdigkeit könne man die Diskussion erfolgreich führen und wieder Boden in der öffentlichen Wahrnehmung gutmachen. Er warb deshalb auch dafür, Kritiker auf die Betriebe einzuladen und für mehr Transparenz zu sorgen.

Schulte to Brinke hatte auch eine Botschaft an die Politik: „Veränderungen müssen Verbesserungen bedeuten, und wir müssen als Partner auf Augenhöhe behandelt werden“, forderte der Präsident. Die Betriebe bräuchten Übergangsfristen und langfristige Planungssicherheit für bauliche Maßnahmen, sonst hätte die Tierhaltung keine Perspektive. Und ohne Landwirte wird auch der gesamte vor- und nachgelagerte Bereich in Frage gestellt, erklärte er.
Es gilt, jungen Leuten eine Perspektive zu bieten, „dann haben wir eine positive Zukunft!“. Mit den Worten „Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dem „schönsten Beruf der Welt“ eine echte Zukunftschance zu bieten.“, schloss er seinen Vortrag.

Hans Georg Hassenpflug, Albrecht Thaer Gesellschaft