Meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist mir ein besonderes Anliegen, das wir als Albrecht-Thaer-Gesellschaft nunmehr zum 2. Mal eine Dissertation prämieren. Die Albrecht-Thaer-Gesellschaft widmet
sich entsprechend der Satzung insbesondere dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Der sogenannte Albrecht Thaer Förderpreis mit einer Dotierung i.H.v. 1.500 € ist für die originellste Dissertation mit
besonderem Praxisbezug in Landwirtschaft, Agribusiness und/oder ländlichem Raum ausgelobt. Das Sponsoring für diesen Preis hat die VGH übernommen, bei der wir uns herzlich bedanken.
Der Preisträger oder die Preisträgerin wird gebeten auf der nächsten Mitgliederversammlung, in diesem Fall also am 07.05.2026, einen Kurzvortrag über die
Dissertation zu halten.
Prämiert werden Wissenschaftler, welche die Landwirtschaft mit ihren Arbeiten und den zugrunde liegenden Forschungen begleiten, und um es schlicht auszudrücken
„besser“ für die Zukunft aufzustellen. Es muss unser Ziel sein, bei den sich mit hoher Geschwindigkeit ändernden Maßgaben Schritt halten zu können und
Lösungen anzubieten. Globale Politikentwicklungen - insbesondere außerhalb der EU - fordern uns alle heraus, und wir müssen Wege beschreiten, die von - in diesem Fall der
Landwirtschaft - akzeptiert werden.
Ich komme nun zur Prämierung:
Die Vorauswahl hat unsere Jury, die aus der Gruppe der Hochschullehrer der Fakultät und je einem Mitglied der ATG und des Chapters besteht, vorgenommen. Insgesamt
wurden 10 ordnungsgemäße Bewerbungen eingereicht. Erfreulich ist, dass eine Steigerung der Teilnehmerzahlen im Vergleich zum letzten Jahr festzustellen sind, und es sind Bewerbungen aus allen
Departments dabei. Entsprechend den Regularien hat der Zentralausschuss der Albrecht-Thaer-Gesellschaft in seiner letzten Sitzung einstimmig entschieden, dass Preisträger
Herr Dr. Philipp Heseker
ist.
Meinen herzlichsten Glückwunsch zur herausragenden Leistung in Ihrer Dissertationsschrift, die den Titel trägt:
"Housing pigs with undocked tails: methods for the early detection and prevention of tail biting / Haltung von Schweinen mit unkupierten Schwänzen: Methoden zur Früherkennung und Vorbeugung von Schwanzbeißen.
Herr Dr. Heseker hat im Rahmen seiner Dissertation in dem Projekt DigiSchwein Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung in der Schweinehaltung
erforscht.
Durch den Einsatz von Kameras und Mikrofonen wurde festgestellt, dass Schreie der Schweine ein wertvoller Indikator für Schwanzbeißen sein können. Dieser wurde in
der Wissenschaft bislang noch nicht beschrieben, hat aber den Vorteil gegenüber indirekten Frühindikatoren (z.B. Schwanzhaltung des jeweiligen Tieres), dass das Beißgeschehen direkt erkannt wird.
Durch retrospektive Lautanalyse konnte man mit der Methode die Tätertiere bis zu 9 Tage vor deren Ausstallung durch das Stallpersonal erkennen. In
Kooperation mit dem ITTN und der Zoologie der TiHo Hannover wurde ein System entwickelt, welches aktives Schwanzbeißen durch die automatische Detektion von Schreien mit einer Präzision von 90%
unter praktischen Bedingungen identifiziert und den Nutzer per E-Mail über Auffälligkeiten informiert. Dadurch konnten die Tiergesundheit und das Tierwohl der anderen Tiere erhalten werden. Diese
vielversprechende Methode hat eine bedeutsame Lücke in der bisherigen Literatur geschlossen, da zuvor die Lautanalyse nicht zur frühen Erkennung von
Schwanzbeißen herangezogen wurde.
Gerade diese Praxisnähe und die Tierschutzgesichtspunkte haben zu der Prämierung geführt.
Bevor uns Herr Dr. Heseker Einblicke in seine Dissertation gibt, möchte ich den Preisträger kurz vorstellen:
Herr Dr. Heseker wurde 1996 in Warendorf geboren und wählte nach seinem Abitur den Weg in verschiedenste landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, England,
Kanada und Australien, um Kenntnisse und Erfahrungen zu sammeln. In Göttingen schloss er nach dem Bachelorstudium 2020 sein Masterstudium ab. Anschließend war Herr Dr. Heseker bis 2024
wissenschaftlicher Mitarbeiter, zuletzt am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie im Projekt DigiSchwein.
Der Lebenslauf zeigt, dass Sie bislang immer unter Beweis gestellt haben, dass Praxis und Forschung zusammengehören. Das Ergebnis ist die prämierte Dissertation,
die unsere Landwirtschaft nach vorne bringen wird.
Sie selbst haben es in Ihrem Motivationsschreiben sehr überzeugend formuliert:
Meine Dissertation hat den Preis der Dissertation des Jahres 2024/25 verdient, da sie innovative Lösungen für eine zentrale Herausforderung der Schweinehaltung
erforscht hat. Hervorzuheben ist der Neuigkeitswert der gewonnenen Erkenntnisse, die vorhandene Lücken in der Wissenschaft geschlossen haben.
Dem habe ich nichts hinzuzufügen und wir alle freuen uns nun auf Ihren Kurzvortrag; herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.